Wien 29.05.2015 - 14.07.2015

Wenn man zum ersten Mal Merlin Kratkys Arbeiten sieht, meint man auf den ersten Blick einzutauchen in eine farbenfrohe fröhliche Welt, in der sich buntes Obst und geometrische Formen tummeln. Hier ein wunderbar gelbe Banane in buntem Torteneck, dort auf der Leinwand schwebend eine Person, die spielerisch nach Würfeln greift.

 

Bei näherem Hinsehen jedoch verwirrt, dass die Früchte in Beton und glattes Polyester gezwängt sind. Ganz alltägliche Objekte werden naturgetreu künstlich reproduziert und eingegossen, in eine neue Form. Diese Zusammenkunft von Natur und menschlicher Schöpfung spiegelt eine abstrakte Sicht des Künstlers auf die Welt, eine Welt, die uns laut entgegenschreit, überrollt. Eine Welt, in der die Natur oft Mühe hat, sich durchzusetzen. In Merlin’s Arbeit sind diese Objekte aus der Natur verfremdet, eingeschlossen, eingesperrt, in künstliche, vom Menschen geschaffene Materialien.

 

Dieses Eingesperrtsein tritt in den Bildern von Merlin Kratky noch viel klarer hervor. Hier sind es die Menschen, die eingesperrt in Kuben im leeren Raum fallen, schweben oder verzweifelt versuchen, nach den bunten, um sie herumschwebenden Formen zu greifen. Der Mensch, der sich seiner Umwelt gegenüber verschliesst, aber dennoch versucht, sie zu fassen.

 

Merlin Kratky ist ein Fragender, der sich mit dem öffentlichen Raum, gesellschaftlichen Strukturen und mit unserem Umfeld auseinandersetzt. Seine Mittel sind die Malerei, Collagen und Skulpturen. Auffallend sind die fast schrillen Farben, ähnlich der in der Pop Art verwendeten Farbpalette – ein Spiegel unserer schrillen Welt, in der Informationen und Bilder uns überfluten.

 

Mag. Andrea Jungmann, Sotheby`s