Wien 26.07.2012 - 08.09.2012

Glückskind (von Till Woeske)

Ab dem 12. Jahrhundert wird der Begriff des Glückes mit seinen noch heute gültigen Eigenschaften verwendet. Es bedeutet einen positiven Ausgang eines Ereignisses, wobei der Glückliche ohne eigenes Zutun, einen bedeutenden Moment des Schicksals sein Eigen nennen kann. Der im Volksmund gängige Spruch „Jeder ist seines Glückes Schmied“ zweifelt jedoch an dem passiven Glück und setzt aktive Handlungen voraus, die dem Beglückten das Erfahren eines Glückmomentes erst möglich machen.

Sebastian Mögelin entfernt sich von beiden Thesen. Er macht weder das Schicksal, noch eigenes „Glücksschmieden“ verantwortlich. Vielmehr sieht er das Glücklichsein als einen subjektiven Akt der Arroganz. „Im Buddhismus und in Gegenden, die kaum Zugang zu westlichen Luxusgütern haben, ist nicht der kurze Moment des Glück-Habens erstrebenswert, sondern vielmehr ein nachhaltiger Zustand der Zufriedenheit.“ Zitat Sebastian Mögelin

Dabei spielen äußere Umstände kaum eine Rolle. Allein die innere Einstellung und die Fähigkeit positive Zustände wahrzunehmen und zuzulassen geben dem Wesen des Glückes einen festen Rahmen. In unserer westlichen Welt ist jedoch eher der zeitlich komprimierte, leicht vergängliche Augenblick des Hochmutes Ausdruck des Glückes, der nicht selten mit einem Beigeschmack von Überheblichkeit begleitet wird. Häufig sind die Beglückten schon vor dem Eintreffen eines Hochgefühls gut gestellt und besitzen die im Allgemeinwesen gültigen Kriterien des westlichen Glückes: Macht, Geld und gesellschaftliches Ansehen (Sex, Drugs and Rock `N Roll).

Genau diesen Missstand verwendet Sebastian Mögelin bei der Entstehung seiner neuen Serie an Kunstwerken. Er deckt die Zerreißprobe der jungen Generation auf und prangert die Blasiertheit der „Glücklichen“ an. Die Zurschaustellung des Glückes in all seiner Sündhaftigkeit überträgt er in seinen Bildern auf seine Generation. Den Zwang der Nächsten, dem verdorbenen Glück der Jetzigen nachzueifern. Er stellt sich die Frage „Wozu führt das heutige Streben nach Glück? Was bewirkt die jetzige Arroganz des Glückes bei der kommenden Generation und wie wirkt sich dies auf die nächsten Entscheidungsträger aus?“

Das Zusammenspiel von Glück und Versagen als Anreiz der Interpretation bilden den Ausgangspunkt der Arbeiten - denn der Misserfolg ist für ihn ein Teil der Fortuna, wird jedoch in der heutigen Zeit verpönt und nicht beachtet. Unglück wird ausgemustert*. Macht glücklich!* wird zum Synonym des Misserfolges. Du Glückskind!* – Kannste ooch? Denkste!* (* Titel der Werke)

Dem Betrachter werden dabei keinesfalls depressive, schwermütige Werke vorgesetzt. Vielmehr ermutigen die Inhalte durch die Neo-Berliner Sex, Drugs and Rock `N Roll Generation, die Diskrepanzen abzubauen und einen gemeinsamen Hauptnenner zu finden. Es ist ein Abbild der Gesellschaft, welche abseits des Glückes und des Misserfolges einen Weg aus der Identitätskrise sucht. „Jede Situation besitzt zwei Achsen, die nur zusammengeführt eine Einheit bilden“ Zitat Sebastian Mögelin - Auch durch die Subtraktion dieser zwei Achsen nähert sich Sebastian Mögelin den zwei Schnittpunkten des Glückes und des Versagens. Im Tageslicht ist nur die eine Seite der Achse zu sehen. Geht jedoch das Schwarzlicht an, bekommt die dargestellte Situation durch das plötzliche Auftauchen neuer Objekte ein neues Gesicht und muss vom Betrachter noch einmal einer Bewertung unterzogen werden.

Eine rundum gelungene Interpretation – der kindlich naive Blick, der bei näherer Betrachtung die Schizophrenie des Glückes offenbart.