Manfred Bockelmann, 1943 in Klagenfurt geboren, studierte in Graz an der HTBLA, Abteilung Kunst, die Fächer Fresko, Fotografie und Grafik. Seit 1966 arbeitet er in München, zunächst als Fotograf, seit 1970 als Maler. 1984 übernahm er nach dem Tod seines Vaters den Besitz am Magdalensberg. Der Versuch einer künstlerischen Einordnung von Manfred Bockelmann fällt schwer.
Er ist ein Maler, der nicht die eigene Problemerfassung zum Thema seiner Malerei gemacht hat, der nicht sozialkritisch Missstände der Gesellschaft zeigt oder den Zeitgeist dokumentiert. Auch reflektiert er Geschichte nicht in bedeutungsschweren Bildern. Das unterscheidet ihn von vielen anderen österreichischen Malern. Auf die Auswahl seines Sujets angesprochen, antwortet Bockelmann: Man kann in seinem kreativen Schaffen entweder das, was einen ängstigt, zum Ausdruck bringen, oder aber das, was man ersehnt, aufzeigen.
Die landschaftliche Umgebung Kärntens, in der Manfred Bockelmann aufwächst, weckt schon früh sein elementares Empfinden für die Natur. So bleibt die Landschaft auch das beherrschende Element in seiner künstlerischen Arbeit. Die Bilder reflektieren das Naturerlebnis in der für den Künstler charakteristischen Handschrift: Wie lautlos einem rein ästhetischen Anliegen folgend, grenzen subtil übereinander gesetzte Horizonte unterschiedlich nuancierte Farbebenen transluzider Ölmalerei voneinander ab. Sie lassen den Anklang eines geschauten Landschaftsraumes oder gar die Schichtung einer geologischen Formation nachspüren. In abstrahierender Formgebung reduziert er das Geschehen und überlässt die Assoziationen der Phantasie des Betrachters. Wie in der fernöstlichen Kunst spielt die Spannung zwischen offenem und geschlossenem Bildraum sowie das Verhältnis von Linie und Fläche eine besondere Rolle.
Viele der in den letzten Jahren entstandenen Bilder folgen einem Gestaltungsprinzip: Die zentrale Linie ist der Horizont. „Sie ist die Basis, von der aus der Betrachter mit eigener Phantasie reagieren soll“, sagt Bockelmann. Das bedeutet eine Aufforderung und Botschaft zugleich. Die Vermittlung des Bildinhalts ist jedoch von der Erlebnisfähigkeit des einzelnen Betrachters abhängig, der immer nur das sehen wird, wozu er aufnahmebereit ist. „Ich will wissen, was beim Beschauer passiert, denn ohne die Herausforderung an den Betrachter sind die Bilder nicht mehr wert als ihr Material“, meint der Maler. „Ich freue mich, wenn jemand eine persönlich erlebte Landschaft in meinen Bildern wiederfindet.“ Trotzdem, betont er, wolle er keinesfalls so etwas wie Heimat ausdrücken. Vielmehr diene ihm das Motiv Landschaft nur als Vorwand, um ein Thema variieren zu können: die Stille.
Die Sonderausstellung »Zeichnen gegen das Vergessen« zeigt großformatige Porträts, durchwegs Kohlezeichnungen, von Kindern und Jugendlichen, die zu Opfern des Nazi-Terrors wurden. Der Künstler Manfred Bockelmann will damit »Zeichen gegen das Vergessen« setzen. Es geht ihm darum »zumindest einigen wenigen Namen und Nummern Gesichter zu geben, ein paar Menschen aus der Anonymität der Statistik herauszuheben«.
Informationen zur Ausstellung im Leopold Museum
17.05.2013 - 02.09.2013