Die Welt ist alles was der Fall ist

Wolfgang Stifter
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Galerie Frey Wien

Über DIE Ausstellung

Die Welt ist alles was der Fall ist

Neue Bilder

„Die Welt ist alles, was der Fall ist“, dieser markante Satz des Ludwig Wittgenstein zu Beginn seines Tractatus logico-philosophicus gilt auch für die Bilderwelt und rückt die unendliche Fülle von Möglichkeiten in den Focus: Noch sind längst nicht alle „Fälle“ durchexerziert, nicht durchdekliniert, nicht durchkonjugiert, noch sind längst nicht alle Bilder gemalt:

Wie das Cyan-Blau mit dem Kobaltstich und einem Hauch von Ultramarin lang fadenziehend, dünn, schlüpfrig auf das pointierte Cadmium-Dunkel trifft und einen weit ausholenden Schweif bildet, eigentlich Schweife, Schweifbündel, schweifende Schwünge mit schaukelnder Gestik, die zu einem etwas müden Grau führen, sich ausbreiten, verblassen, verhallen, Nebel bilden, verdunsten und mit dem Papiergrund verschmelzen, bis dann – scharf geschnitten – Buchstabenattrappen daherstelzen, ein C, ein Cis, ein V, ein Fis, unerklärlich, rätselhaft aber melodisch-rhythmisch, treppend-rhythmisch, taktend-rhythmisch, pulsierend wie ein Wortgedicht – und frech sitzt dazwischen – mit einem Lächeln – das Indischgelb.

Das nächste Blau ist kürzer, schräger, greller, grüner, wie im Vorbeigehen vom Pinsel mit einem lässigen Schlenzer auf’s Papier geknallt … und wieder legt sich ein Blau darüber, stumpfer, schwerer, plumper, dumpfer, matter, satter, schlapper… Und dies ist nur der „Fall“ vom linken unteren Eck, vielleicht zwanzig lang und dreißig hoch. Und die anderen tausend „Fälle“? Sie sind noch nicht beschrieben, weil‘s die Worte nicht zu Papier bringen können, sie haben sich aber längst auf der Leinwand festgekrallt und verführen den Schauer in assoziative Momente: Er meint etwas Neues gesehen zu haben und bleibt stehen.

Warum also sollte ein Maler jetzt schon in die Neuen Medien flüchten, wenn noch längst nicht alle „Fälle“ gemalt sind? Die malerische Arbeit ist noch lange nicht getan, viele Fälle warten noch.

Ab 23. April sind von Wolfgang Stifter 14 neue Fälle in der Galerie Frey, Wien zu sehen.

Und die Titel legen sich wie kunstvoll geknüpfte Schleifen um‘s Werk und machen es spannend.

Wolfgang Stifter, April 2020

über den Künstler

DIE KUNST DES RICHTIGEN AUSSCHNITTS

Eine Aktion mit Publikumsbeteiligung von Wolfgang Stifter

„Eigentlich ist nichts vor ihm sicher.“

Wolfgang Stifter, Jahrgang 1946, wuchs im künstlerischen Umfeld auf: im Atelier des Vaters in Ottensheim, Oberösterreich, wo er in jungen Jahren zeichnerisch und malerisch tätig wurde. Die teilweise großformatigen Kinderzeichnungen stellte Otto Mauer 1955 in der Galerie St. Stephan in Wien aus.

Die künstlerische Karriere nimmt daraufhin seinen Lauf. Wolfgang Stifter hört nie auf sich neu zu erfinden und gleichzeitig seinen Interessensgebieten treu zu bleiben. Einerseits spielt er mit Themen wie dem Mythos, Kosmos, der Philosophie und Geschichte. Dass er mit seinem ausgiebigen grafischen Zyklus zu den Höhlen von Lascaux andererseits Stellung zum Urzeitlichen und zum Beginn der Kunst nimmt, zeigt sich v.a. in den rezenteren Arbeiten. Besonderes Augenmerk legt der Maler und Grafiker auf die Auseinandersetzung mit fernöstlichen Bildtechniken und –auffassungen.

1991 wird der Künstler zum Rektor der Universität für Gestaltung in Linz gewählt, die er bis 2000 leitet. Heute unterrichtet er als Ordentlicher Universitätsprofessor. Der 2006 erschienen Werkmonographie „Arbeiten auf Leinwand“ folgt 2013 der 2. Band: „Wolfgang Stifter. Arbeiten auf Papier“. Texte von Carl Aigner, Peter Baum, Wolfgang Hilger, Jürgen Thaler und Brigitte Weingart geben Einblick in die prozessuale Kunst Stifters: „Anfangen ohne Anfang, Enden ohne Ende“

Grafische und zeichnerische Elemente finden in all seinen Werken Ausdruck, selbst wenn der Künstler den Mal- und Zeichenutensilien keine Grenzen setzt: „Eigentlich ist nichts vor ihm sicher.“ (Wolfgang Hilger) Mit dem Zyklus zur „Goldenen Adele“ nimmt Wolfgang Stifter auch Zeitgeschichtliches in seinen näheren Themenkomplex und setzt die Restitutionsthematik künstlerisch um.

Pressestimmen

http://www.wolfgangstifter.at/

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